Kein System produziert Symptome, weil ihm langweilig ist

Kein System produziert Symptome, weil ihm langweilig ist

Warum es diese Reihe gibt

Im Bereich Naturstoffe, Erfahrungsheilkunde und ernährungsmedizinischer Praxis gibt es eine Lücke. Auf der einen Seite stehen jahrzehntelange Beobachtungen, praktische Erfahrungen und eine biologische Plausibilität, die sich täglich in der Arbeit mit Patienten zeigt.

Auf der anderen Seite stehen sehr enge Vorgaben, was im deutschsprachigen Raum zu Gesundheitsthemen gesagt werden darf und was nicht. Eine Missachtung dieser Vorgaben kann empfindliche Strafen zur Folge haben. Ob diese strikten Vorgaben eher den Verbraucher, oder die Profite bestimmter Branchen schützen, sei dahingestellt. 

Heilaussagen sind gesetzlich eingeschränkt. Wirkversprechen sind verboten. Das ist grundsätzlich auch richtig so, denn das schützt den Verbraucher vor Scharlatanerie.

Was dabei verloren geht, ist allerdings der reiche Fundus der Erfahrungsheilkunde, die sich seit Generationen bewährt und den Menschen die längste Zeit seiner Existenz unterstützt hat.


Vier Ebenen - und warum sie nicht deckungsgleich sind

Wer biologische Zusammenhänge verstehen möchte, sollte vier Ebenen unterscheiden: praktische Beobachtungen, traditionelle Anwendungen, biologische Modelle und klinische Studien.

Diese vier Ebenen sind wertvoll - aber sie bedeuten nicht dasselbe. Ein Stoff, der in Zellmodellen interessant erscheint, sagt noch nichts darüber aus, was im lebenden Menschen geschieht. Umgekehrt ist eine traditionelle Anwendungserfahrung kein klinischer Nachweis - aber auch kein Zufall.

Wer das versteht, liest Texte zur Naturheilkunde anders. Nicht über skeptisch, sondern mit einem gesunden Urteilsvermögen.

Der Körper als Netzwerk

Der menschliche Organismus arbeitet nicht in Einzelteilen. Darm, Leber, Blut, Mikrobiom, Schleimhäute und Energieprozesse stehen in ständigem Austausch. Der Mensch ist eine Ansammlung von Wirkmechanismen, die alle aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden sind. Gesundheit entsteht aus der Regulationsfähigkeit des Körpers und aus der Fähigkeit, alle diese Mechanismen der Innenwelt an die Bedingungen der Außenwelt anzupassen.

Wer versteht, wie diese Mechanismen zusammenhängen, begreift auch, warum ein Naturstoff nicht auf eine Einzelwirkung reduziert werden kann. Seine biologische Bedeutung entsteht oft genau dort, wo mehrere Systeme aufeinandertreffen und wo eine regulierende Wirkung über mehrere Ebenen entsteht.

Wie Sprache in diesem Bereich funktioniert

Vorsichtige Sprache ist kein Zeichen von Unwissen. Sie ist ein Zeichen von Genauigkeit. Seriöse Texte unterscheiden zwischen Mechanismus, Plausibilität und belastbarer Evidenz. Das klingt zurückhaltend - ist aber präziser als Schlagworte und Sensationshascherei, wie sie oft auf der Suche nach Aufmerksamkeit betrieben wird. 

Wenn wir in dieser Reihe schreiben, dass etwas 'in der Forschung diskutiert wird', oder 'im Zusammenhang mit biologischen Prozessen untersucht wird' - dann ist das keine Abschwächung. Es ist häufig die präziseste Aussage, die möglich oder uns erlaubt ist. Die Interpretation und daraus abzuleitende Handlungen hat zum Glück ein jeder selbst in der Hand. 

Was Sie aus dieser Reihe mitnehmen können

Nach dieser Reihe von Blogartikeln werden Sie biologische Systeme anders lesen. Sie werden verstehen, warum und wie Organe zusammenarbeiten, warum Naturstoffe oft in Netzwerken wirken und warum einfache Versprechen selten die ganze Wahrheit abbilden.

Das ganze so einfach wie möglich und so kompliziert wie nötig. Es ist eine Einladung, genauer hinzusehen, um zu verstehen, was dem Körper fehlen könnte, um sich wieder selbst zu regulieren. 

Sicher ist: Kein System produziert Symptome, weil ihm langweilig ist und kein Körper möchte krank sein. Jeder chronischen Erkrankung liegen ein Mangel, ein Überschuss (heutzutage sehr häufig) und/oder eine mangelnde Regulationsfähigkeit zugrunde. Diese Mechanismen bei sich selbst zu verstehen, kann ein erster Schritt zur Heilung sein.


Im nächsten Beitrag wenden wir uns dem Darm als eine der spannendsten inneren Grenzflächen des Körpers zu. 

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